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Verfasst am:
09.11.2009, 16:32 Titel:
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Beschreibung:Die Mutter singt im Sterben vom unbeschreiblichen Leid, das sie während des Bürgerkriegs erleiden musste und das sie durch die Muttermilch an ihre Tochter Fausta weitergab. Die ist inzwischen zwar fast erwachsen, traut sich aber nicht allein auf die Straße und hat sich aus Angst vor Vergewaltigung eine Kartoffel in die Vagina gesteckt. Fausta nimmt eine Arbeit als Hausmädchen bei einer reichen Pianistin an, um mit dem verdienten Geld ihre Mutter im Heimatdorf beerdigen zu können. Doch statt sie zu entlohnen stiehlt die Frau Fausta ihre Melodien.
Der peruanische Überraschungssieger der Berlinale erzählt von einer jungen Frau und ihrer Trauerverarbeitung, den Traumata des nationalen Terrors und den tiefen Verwundungen der Seele.
Auf den ersten Blick wirkt "La teta asustada" ("The Milk of Sorrow") exotisch, aber der Film ist mehr als eine ethnografische Exkursion, auch wenn es sich um eine in Peru verbreitete und rätselhafte "La Teta Asustada" genannte Krankheit handelt und die daraus resultierenden psychischen Schäden. Dem Volksglauben nach haben die darunter leidenden Menschen durch einen bösen Geist ihre Seele verloren und müssen sie durch Rituale wiedergewinnen. Anthropologische Studien ergaben einen Zusammenhang von Sexualität und körperlichen Symptomen. Kurz vorm Sterben singt Faustas Mutter von toten Penissen und dem endlosen Grauen, das sich in den Köpfen eingenistet hat und nie verschwindet. Die Jahre von 1970 bis 1990 waren die dunkelsten in der Geschichte Perus, tausende von Frauen wurden Opfer des Krieges zwischen der Terrororganisation "Leuchtender Pfad" und der Regierung, sie schwiegen und litten. Fausta gehört zu den Kindern, die Vergewaltigung und Misshandlung ihrer Mütter im Mutterleib erlebten und sich nicht in der Normalität zurechtfinden, Nähe und Beziehungen fürchten. Jetzt wird sie mit ihren geheimsten Ängsten konfrontiert, zum Schutz gegen die Außenwelt steckt sie sich eine Kartoffel in die Vagina. Über ihre Krankheit kann sie nicht sprechen, sondern nur singen. Die junge Frau lebt bei ihrem Onkel in einem Vorort von Lima, in der Nachbarschaft wundert sich niemand über ihr Nasenbluten oder ihre Ohnmachten, hat sie doch die "Milch des Leids" getrunken. Das psychoanalytische Geraune mutet für die europäische Ratio seltsam an, passt aber in den Kontext des hier ausgebreiteten magischen Realismus. Magaly Solier, von Regisseurin Claudia Llosa für deren Debütfilm "Madeinusa" auf einem Marktplatz entdeckt, trägt den rhythmisch langsamen Film in großer Ruhe und kleiner Mimik, allerdings ist die schwarz-weiß Zeichnung der Klassen klischeebehaftet und nicht jeder möchte mit ansehen, wie Fausta die nachwachsenden Triebe der Kartoffel abschneidet. Die Heimreise mit der Toten durch das weite Land wird zur inneren Reise, an deren Ende Erlösung steht. Vor finalem Trübsinn retten Alltagsszenen wie fröhliche Sammelhochzeiten oder die unterhaltsame Auswahl eines bunten Sarges. Tod und Lebensfreude gehören zusammen. mk. |
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